Die Simon Mühle stellt sich vor

Schon in Kindertagen begegnen uns Mühlen häufig in Märchen und Liedern. Kaum jemand kennt nicht Lieder wie “Die klappernde Mühle am rauschenden Bach”, die Wanderlust des Müllerburschen oder die schöne und kluge Müllerstochter. Mühlen sind ein Kulturgut. Und es gibt sie natürlich immer noch. Allerdings nur noch selten, so wie die Simon Mühle im Herzen von Trofaiach am rauschenden Vordernberger Bach. Alte Mühlen, die traditionell handwerklich arbeiten und gewerblich mahlen, findet man heutzutage kaum noch. Wenn die Gebäude nicht verfallen sind, werden sie gern umfunktioniert zum Wohnhaus, Restaurant oder Museum. Dabei wird heute oft wieder die ursprüngliche Energienutzung von Wind oder Wasser zur Erzeugung von Elektrizität verwendet.

Schätzungen baukundiger Personen zufolge wird vermutet, dass es sich bei der Simon Mühle um einen ca. 400 Jahre alten Bau handelt.

Über die genauen Besitzverhältnisse gibt es keine Angaben mehr.

Erstmal ist aus Plänen aus dem Jahr 1882 ersichtlich, dass das Gebäude bereits als Mühle aber auch als Wohngebäude von Herrn Josef Mörth verwendet und erweitert wurde. Ein weiterer Bauplan aus dem Jahre 1893 verrät, dass sich das Gebäude dann im Besitz eines Müllermeisters namens Rieger befand.

Unter dem Müllermeister Oskar Simon, einem verdienstvollen Bürger und später Vizebürgermeister der Stadt Trofaiach, wurde das Gebäude nur mehr als Mühlengebäude verwendet. Das Anwesen wurde um ein Wohngebäude auf der Südseite (auf dem Grundstück des heutigen Tierarzt Dr. Hütter) und in späterer Folge auf der Westseite um ein Kornspeicher- und Silogebäude (der heutigen Feuerwehr Trofaiach) erweitert. Beide Gebäude waren mit hölzernen Übergängen im ersten Stock miteinander verbunden.

Das historische hölzerne unterschlächtiges Mühlenrad– eines von 7 Mühlenrädern, die einst das Gewerbe entlang des Vordernbergerbaches in Bewegung hielten – trieb mechanisch die Transmissionen zu den Mühl- und Siebstücken an. Aus eifrigem Schriftverkehr mit diversen Anbietern von Turbinenherstellern geht hervor, dass Herr Simon – ein Visionär seiner Zeit – ab 1938 anstrebte, das überalterte Mühlenrad durch eine Kleinwasserkraftanlage (eine Francis-Turbine) zu ersetzen, die von nun an einen Generator antreiben sollte, der neben der mechanischen Ansteuerung der Mühlstöcke auch Elektrizität erzeugte. Weil Herr Simon keine Mühen und Kosten scheute, wurde ab 1943 das Gebäude zu einem der modernsten Gewerbeanlagen für damalige Zeiten in Trofaiach umgebaut. Diese Tatsache verlieh der Mühle den Beinahmen Kunstmühle, wobei sich dieser Titel auf die Ingenieurs-Kunst bezog. (Diese Tatsache veranlasste den Verein Simon Mühle den Namen „Simon Mühle“ für das Gebäude bei zu behalten, weil es heute auch teilweise der Kunst gewidmet ist). Diese Entwicklung führte zwischen 1943 und 1980 zu einer Blütezeit der Mühle, in der für alle umliegenden Bauern aber auch für die Gösser Brauerei verschiedenste Getreidesorten gelagert, gemahlen und umgeschlagen wurden. Die Mühle war in dieser Zeit eine wichtige Drehscheibe und auch ein Treffpunkt in Trofaiach. Im Laufe der siebziger Jahre geriet die Mühle jedoch vor allem durch die Konkurrenz mit der Kette Landmarkt immer mehr ins Hintertreffen, bis die Fam. Simon gezwungen war, den Betrieb Anfang der achtziger Jahre zu reduzieren und schließlich endgültig einzustellen sowie die Gebäude zu veräußern. Der Trofaiacher Müllermeister und Vizebürgermeister Oskar Simon verstarb bald darauf im Jahre 1988 im Alter von 83 Jahren.

Der spätere Besitzer Herr Hubmann Fritz – auch ein Visionär seiner Zeit – erwarb das Gebäude 1998 aus dem Besitz der Fam. Krempl mitunter aus dem Grund, das Kleinwasserkraftwerk, das in der Zwischenbesitzzeit nicht mehr in Betrieb war, wieder zum Leben zu erwecken. Außerdem verbindet die Familie Hubmann auch eine ganz persönliche Geschichte mit der Mühle, denn das junge Paar lernte sich 1959 in der Mühle kennen und lieben. Edda war bis zur Hochzeit im Jahre 1962 in der Mühle beschäftigt und Fritz kam regelmäßig Getreide holen.

Bald nach Erwerb des Gebäudes begann die Fam. Hubmann die alte Mühle zu renovieren und behielt dabei immer im Hinterkopf, so viel wie möglich vom Originalzustand des Gebäudes zu erhalten. Um das eher feuchte Klima in der bis dahin noch nie beheizten Mühle zu regulieren, wurden erst einmal neue Fenster und ein neues Portal eingebaut. Dank des Weitblicks von Herrn Hubmann wurde bereits damals eine kleine aber feine Solarthermie- und Photovoltaikanlage am Dach des Gebäudes installiert, um genau so viel Energie zu erzeugen, dass mittels eines selbstgebauten Ventilators aus dem Dachboden warme Luft in den Keller geblasen werden kann. Durch die Temperaturunterschiede wird eine Luftzirkulation und so eine stetige Entfeuchtung des Gebäudes erzielt. In einem perfekten Mix aus altem und neuem Holz wurden Zwischendecken und Plafond eingezogen. Dabei konnten einige der alten Walzenstöcke und Siebanlagen sowie Teile der Transmissionen erhalten bleiben. Eine Notlicht- und Fluchtwegbeleuchtung, dem Stand der Technik entsprechend, und neue WC-Anlagen wurden installiert.  Leider wollte es die Zeit nicht, dass bereits unter den Bemühungen der Fam. Hubmann das Kleinstwasserkraftwerk wieder in Betrieb gehen konnte. Damals scheiterte das Vorhaben am nicht erwerbbaren Wasserrecht.

So gab sich die Familie einige Jahre damit zufrieden, dass ab und an Veranstaltungen im Sinne der Trofaiacher Bevölkerung in der Mühle stattfanden. Den Traum eines Begegnungszentrums und eines energieautarken Gebäudes, dass auch noch für die umliegenden Nachbarn nachhaltig Strom erzeugt, gaben die zwei, Edda und Fritz, aber nie ganz auf. Leider verstarb Fritz 2017 noch vor der Vollendung seines Traumes.

Es war vorerst ruhig geworden um die alte Mühle im Herzen von Trofaiach. Doch dann, zuerst noch ganz still, begannen sich im Herbst 2018 die Räder der Mühle langsam wieder zu drehen. Ein engagiertes Team aus jungen und junggeblieben TrofaiacherInnen fand sich zusammen und schmiedete gemeinsam mit der Witwe Edda Hubmann, eine ebenso weitsichtige Person wie ihr Mann, einen neuen Plan, um die Mühle im Sinne der großen Vordenker Fritz Hubmann und Herr Simon wieder zu revitalisieren. Mit Hilfe der Expertise des Trofaiacher Vereins Art Mine wurde ein Verein zum Erhalt der Simon Mühle gegründet. Schnell fanden sich weitere interessierte Vereine wie das Natur-Atelier und Genuß-Yoga, die mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit die Mühle nachhaltig auf Vordermann brachten. Die gemeinsame Vision: ein offenes Begegnungszentrum für Kultur, Brauchtum, Lebensfreude, Gesundheit, Bewegung, lebenslanges Lernen und Nachhaltigkeit, das Jung und Alt zusammenbringt. So wie einst die Getreide-Mühle ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens im Ortszentrum war, soll das Kultur- und Begegnungszentrum Simon Mühle auch in Zukunft einen nachhaltigen Beitrag zur Belebung der Trofaiacher Innenstadt leisten. Unterstützt vom Innenstadtkoordinator Erich Biberich werden Synergien geschaffen, um diese Vision Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen.

Der Philosophie des Simon-Mühle-Teams entsprechend wurden für die Revitalisierung der Mühle weitestgehend nur Materialien und Elemente verwendet, die reused, recycled oder zumindest secondhand erworben werden konnten. So wurde Holz für Verkleidungen und dergleichen aus den Altbeständen von z.B. Becherwerken verwendet. Außerdem wurde dem Gebäude erstmalig eine Heizung eingebaut – eine gebrauchte, aber top funktionierende Luft-Luft-Wärmepumpe. Seit seiner Errichtung vor vermutlich 400 Jahren wird das Gebäude nun endlich beheizt. Natürlich spielte bei der gesamten Planung für die Beheizung und Beleuchtung das Langzeitziel, das bestehende Kleinwasserkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen, eine bedeutende Rolle. In diesem Sinne wurden auch modernste, gebrauchte Beleuchtungs- und Ausstellungsschienen stilgerecht verbaut, sodass die Mühle energieeffizient beleuchtet und den Anforderungen von Ausstellungen und Vernissagen voll entsprechen kann. Ein wunderbares, etxra hohes Obergeschoß mit traumhaftem Ambiente wurde geschaffen, indem die historischen und energieineffizienten Fenster auf der Innenseite speziell verglast wurden und die alten Balken sowie die Transmissionen erhalten bleiben konnten. Das gesamte Gebäude wurde außerdem auf den neuesten Stand bezüglich Veranstaltungsstättengenehmigung gebracht. Fluchtwege und Raumtrennungen wurden stilvoll in das Gebäude integriert. Im Erdgeschoß ergänzen nun ein Küchen-Barbereich und gemütliche Sitzecken sowie ein Kinderspielbereich die Ausstattung der Mühle.

Weiters wurden zwei extra begehbare Büroräume – mit den alten, aufbereiteten Möbeln im Stil der Zeit von Herrn Oskar Simon geschaffen.

Die Simon Mühle ist  somit wieder bereit, eine Drehscheibe in der Innenstadt von Trofaiach zu sein: mit 1000 Möglichkeiten!

Frau Edda Hubmann
Besitzerin und Stifterin des Gebäudes

Gründer Ing. Andreas Sprung,
Ehrenamtliche Aufgaben:

  • Organisation, Planung und Administration des Technik-, Bau-, Instandhaltungsbereich
  • Instandhaltung
  • Reinigung organisieren

 

Gründer Michael Domian, BA,
Ehrenamtliche Aufgaben:

  • Öffentlichkeitsarbeit, im Bereich Medien, Web und Social Media
  • Rechnungswesen und Buchhaltung
  • Dokumentation
  • Projektentwicklung, -einreichung und -management

 

Außerordentliche Mitglieder:

Mag.a Denise Sprung
Ehrenamtliche Aufgaben:

  • Netzwerken
  • Intervision
  • Nachhaltigkeitsprüfung und -schulungen
  • Projektentwicklung, -einreichung und –management

 

Dieter Knabl
Ehrenamtliche Aufgaben:

  • Rechnungsprüfung
  • Technik-, Bau-, Instandhaltung
Über uns

Kontakt

Kultur- und Begegnungszentrum Simon Mühle, Rossmarkt 6, 8793 Trofaiach, Austria

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